Von Oldendorp bis Stadtoldendorf

-Die Geschichte der Stadt -

 

 

 

Hoch über der Stadt , auf einem steilen, 403 Meter hohen Gipskegel wurde in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts die Homburg von Siegfried IV. von Northeim/Bonemeburg errichtet. Sie stand in offensichtlicher Gegnerschaft zu der Burg der Grafen von Everstein, um das Kloster Amelungsborn zu schützen. Der Ort Oldendorp wird erstmals im Jahre 1150 in einer Urkunde als vermutliche Dingstätte des Freien Gerichts genannt. Unter Leitung des Gerichtsgrafen Berthold mußte Graf Hermann von Winzenburg die Homburg und die dazugehörigen Ländereien dem Bischof von Hildesheim übertragen. Damit wurden die vermutlich ersten Homburger Edelherren Lehensträger des bischöflichen Besitzes, sie residierten auf der Hornburg bis 1409. Die ersten Ansiedlungen in diesem Gebiet werden in der Zeit um 400 - 500 n. Chr. vermutet.

Oldendorp entwickelte sich unter den Edelherren von Homburg von einer dörflichen Siedlung zur Stadt. Die Burg war selber eine mächtige Anlage, mit der Vorburg, einer kleinen Hauptburg mit einer Länge von über 100 Metern und einer durchschnittlichen Breite von 30 Metern sowie zwei Bergfriede.

Graf Hermann 11., dessen Stammburg die Winzenburg bei Gandersheim war, wurde 1 1 52 ermordet. Der braunschweiger Herzog Heinrich der Löwe ergriff nun Besitz von der Burg. Nachdem Heinrich der Löwe selber gestürzt worden war, erhielt der Bischof von Hildesheim seine Besitzungen einschließlich der Homburg vom Kaiser zurück. Er belehnte Bodo von Homburg im Jahre 1183 mit einer Hälfte der Burg.

Die zweite Hälfte erhielten die Grafen von Dassel als Lehen. Von 1247 - 1409 waren die Edelherren von Homburg alleinige Besitzer.

Die Stadtgemeinde Oldendorp wird in einer Urkunde des Jahres 1281 bei einem Vergleich zwischen Friedrich Schwericke und dem Kloster Amelungsborn über Güter in Greene genannt. Zumindest seit dieser Zeit besitzt Stadtoldendorf die Stadtrechte, die u. a. vom Edelherrn Heinrich von Homburg und Bürgern von Stadtoldendorf bestätigt worden waren.

Zur Unterscheidung von mehreren Orten mit dem Namen Oldendorp oder Oldendorf nannte sich der Ort seit Beginn des 16. Jahrhunderts Stadt Oldendorf.

Die Stadt entwickelte sich zu einer wohlhabenden Gemeinde, die aufgrund ihrer günstigen topografischen Lage regen Zuspruch fand. Die Stadtbefestigung sicherte das Gemeinwesen ab (Ende des 13. Jahrhunderts wird urkundlich ein Stadttor erwähnt).

Der Dreißigjährige Krieg brachte wie in vielen anderen Städten und Dörfern große Zerstörungen und den Niedergang der einst blühenden Handels-, Handwerker- und Ackerbürgerstadt. Auch verlagerte sich danach der Handelsverkehr von der alten Heer- und Handelsstraße , die von Westfalen über Höxter durch Stadtoldendorf nach Gandersheim und weiter nach Osten geführt hatte, an der Stadt vorbei zwischen Amelungsborn und Eschershausen.

In der Mitte des 18. Jahrhunderts entwickeln sich Leineweberei und Stadtoldendorfs erste Weberei. Trotzdem blieb der Ort in seiner wirtschaftlichen 13 Entwicklung bis z ur Mitte des 19. Jahrhunderts stehen.

Der Bau der braunschweigischen Staatseisenbahn von Kreiensen nach Holzminden ermöglichte den wirtschaftlichen Aufschwung ab 1865. Drei Jahre hatte der Bau dieser Eisenbahnstrecke in Anspruch genommen, wobei dazu viele örtliche Arbeitskräfte benötigt wurden. Die Folge war, daß Massengüter wie Rohgips oder Sandstein nun über die Schiene transportiert werden konnten.

Ab 1864 entstanden vier Gipswerke. Das Bau- und Steinbruchgewerbe erlebte einen großen Aufschwung. Darüber hinaus entwickelte sich aus einem kleinen Leinenhandel eine mechanische Weberei ab 1873 mit 40 mechanischen Webestühlen und 70 Mitarbeitern. Die Entwicklung Stadtoldendorfs wurde durch die Industrialisierung in diesen drei Wirt schaftsbereichen bestimmt.

Im Jahre 1832 hatte das Herzogtum Braunschweig eine neue Verfassung mit der Einteilung in Landkreise eingeführt. Wenn auch das Herzogtum Braunschweig heute nicht mehr existiert, so gibt es jedoch immer noch den Landkreis Holzminden in Niedersachsen, in dessen Herzen Stadtoldendorf liegt.

Viele Zeugnisse der Stadtentwicklung sind bei dem historischen Rundgang gut zu sehen. Die Stadt unter der Homburg, von dessen Ruine man einen weiten Blick in das Land hat, ist heute eine aktive, liebenswerte und gewerbefleißige Kleinstadt mit einer Mischung von Industriebetrieben (Gipsindustrie), mittelständischen Betrieben des Handwerks, des Handels und der Dienstleistungen sowie Einrichtungen der Öffentlichen Hand.